Was ist ein Multiple Sklerose-Schub? Anzeichen, Auslöser, Behandlung, Pseudo-Schub

Apr 6, 2022 | Wissenswertes über MS

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Krankheitsschübe (MS-Schübe) gehören zum Krankheitsbild der MS. Bei vielen MS-Betroffenen kennzeichnet ein MS-Schub den Beginn einer MS und im späteren Krankheitsverlauf auch ihr Fortschreiten.

Die Bandbreite möglicher Anzeichen eines MS-Schubs variiert, wie so vieles bei der MS. Ein akuter MS-Schub ist deshalb nicht immer klar und einfach zu erkennen oder von einem Pseudo-Schub zu unterscheiden. Selbst bei langjährigen MS-Betroffenen besteht oftmals noch Unsicherheit, ob gerade ein MS-Schub vorliegt oder nicht.

Häufig wird der erste MS-Schub gar nicht als solcher erkannt. Denn die Symptome treten auf und bilden sich wieder zurück. So gehen Betroffene oft erst gar nicht zum Arzt. Bei den meisten MS-Betroffenen beginnt die MS jedoch mit Schüben. Gerade zu Beginn der Erkrankung sind die Symptome vielfältig, so dass es selbst für erfahrene Ärztinnen und Ärzte oft schwierig ist, die Anzeichen richtig zu deuten. Deshalb wird die Diagnose MS oft erst Jahre nach den ersten Symptomen diagnostiziert.1

Auf die Frage, was im Falle eines Schubs zu tun ist, gibt es keine allgemein gültige Antwort. Wenn du Symptome hast oder hattest, die auf einen MS-Schub hindeuten können, ist es ratsam diese ärztlich abklären zu lassen.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie es dir gelingt die Anzeichen deines Körpers im Verdachtsfall richtig zu deuten. Damit du deiner Ärztin oder deinem Arzt die Anzeichen gut beschreiben kannst und dann die für dich richtige Behandlung erfolgen kann. Sei es die akute Behandlung eines MS-Schubs oder die Abklärung, ob bei dir gegebenenfalls eine MS vorliegt. Auch erfährst du, was die Auslöser für MS-Schübe sein können, wie sie behandelt werden können und wie du einem MS-Schub vorbeugen kannst.

Was ist ein Multiple Sklerose-Schub? Anzeichen, Auslöser, Behandlung, Pseudo-Schub 1
Ein MS-Schub kann aus einem oder mehreren Symptomen bestehen, die 24 Stunden oder länger anhalten. Die Symptome müssen spezifisch für MS sein. Sie dürfen nicht durch andere Ursachen wie beispielsweise eine Infektion ausgelöst sein. Die Symptome variieren von Schub zu Schub und von Person zu Person.

Was ist ein MS-Schub?

Es ist gar nicht so einfach einen MS-Schub zu erkennen. Deshalb ist es hilfreich sich über die möglichen Anzeichen und Symptome eines Schubs zu informieren.

Bei mehr als 90 Prozent der MS-Betroffenen beginnt die Krankheit in Schüben, die völlig unregelmäßig auftreten. Bei den anderen 5 bis 10 Prozent lässt sich von Anfang an ein fortschreitender Krankheitsverlauf ohne zwischenzeitliche Besserung beobachten. Bei 30 bis 40 Prozent entwickelt sich ohne Behandlung der MS-Betroffenen mit einem ursprünglich schubweisem Verlauf nach circa 10 Jahren eine ebenfalls schleichende Zunahme der Symptome, bei der auch weiterhin Schübe auftreten können.2

Die MS kann durch einen progredienten (fortschreitenden) oder einen schubförmigen Verlauf gekennzeichnet sein. Dabei treten die Symptome und deren Stärke individuell und unterschiedlich auf.

Im Artikel: ‚Was ist Multiple Sklerose? Symptome, Ursachen, Verlauf und Diagnose‚ finden Betroffene, Angehörige und Interessierte aufklärende Informationen über die Krankheit MS.

Es lässt sich nicht vorhersehen, wie lange ein MS-Schub andauert oder wann der nächste Schub kommt.

Es gibt keine einheitliche Verlaufsform, die auf jeden MS-Betroffenen zutrifft und es lässt sich nicht vorhersehen, wie lange ein MS-Schub anhält oder wann der nächste Schub kommt. Die MS-Symptome und die Schwere von MS-Schüben können sehr unterschiedlich sein.

Wann handelt es sich um einen MS-Schub?

Die Mediziner sprechen von einem MS-Schub, wenn

  • ein oder mehrere neue Symptome auftreten, die 24 Stunden oder länger anhalten;
  • alte, bereits vorhandene Symptome sich verschlechtern und diese Symptome mindestens 24 Stunden andauern;
  • die Symptome müssen MS spezifisch sein, das heißt, sie dürfen nicht durch andere Ursachen wie zum Beispiel eine Infektion ausgelöst werden;
  • zwei verschiedene Schübe sind durch eine Erholungszeit von minimum 30 Tagen Dauer getrennt.

Die Dauer eines Schubs kann sehr unterschiedlich sein. Manche Schübe dauern wenige Tage. Andere dauern mehrere Wochen bis hin zu Monaten an.

Anzeichen, die nur wenige Sekunden oder Minuten andauern, wie beispielsweise einschießende Spastik, werden nicht als Schub angesehen. Kommen diese jedoch über einen Zeitraum von mehr als 24 Stunden häufiger vor, können diese auf eine Entzündungsaktivität und damit einen Schub hinweisen.

Keine zwei Schübe sind gleich. Die Symptome unterscheiden sich von einem Schub zum anderen und von Person zu Person.

Was sind die Anzeichen eines MS-Schubs?

Die Symptome sind unterschiedlich. Je nachdem an welcher Stelle die MS-Entzündungen im zentralen Nervensystem (ZNS) auftreten und wie stark die Nerven beeinträchtigt sind, können folgende Anzeichen auftreten:

  • Sensibilitätsstörungen, Parästhesien – Ameisenlaufen, Jucken, Kribbeln und Missempfindungen, die häufig in den Händen und Füßen auftreten
  • Sehstörungen durch Entzündung des Sehnervs – Doppelbilder, verschwommenes Sehen, Nebelsehen, Sehunschärfen und Schmerzen in den Augen;
  • Koordinations- und Bewegungsstörungen;
  • spastische Lähmungen und Steifheitsgefühl;
  • Schwindel;
  • erhöhtes Ruhe- und Schlafbedürfnis und
  • schnelle Ermüdbarkeit und deutlich reduzierte Leistungsfähigkeit (Fatigue).

Beim Fortschreiten der Krankheit und bei jedem weiteren Schub können sich wechselnde Regionen im Gehirn und Rückenmark entzünden, die wieder andere Körperfunktionen beeinträchtigen und weitere Symptome auslösen, wie:

  • Gleichgewichtsprobleme und Gangunsicherheit;
  • Kognitive Störungen – Einschränkungen der Aufmerksamkeit, Konzentration und Merkfähigkeit;
  • Muskelverkrampfungen und Muskelsteifheit, die zu Schmerzen führen und die Bewegung beeinträchtigen;
  • Antriebslosigkeit und Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen;
  • Elektroschock-Situationen (Lhermitte-Zeichen) bei bestimmten Kopfbewegungen;
  • Blasenfunktionsstörungen sowie Beeinträchtigungen des Darms und
  • sexuelle Beeinträchtigungen.

Was sind Auslöser eines MS-Schubs?

Bislang ist noch nicht ausreichend geklärt welche Faktoren genau einen Schub auslösen können. Doch Erfahrungen zeigen, dass einige Faktoren Schübe begünstigen können, hierzu gehören:

  • anhaltender emotionaler oder psychischer Stress,
  • Änderungen der Lebenssituation, wie Trennungen oder Todesfälle,
  • extreme Belastungen wie akute fieberhafte Infekte,
  • Operationen,
  • hormonelle Umstellungen, wie beispielsweise nach einer Schwangerschaft und
  • verschiedene Impfungen, besonders die mit Lebendimpfstoffen.3

Wie kannst du einem MS-Schub vorbeugen?

Zur Vorbeugung solltest du deshalb das Gleiche berücksichtigen wie Gesunde auch. Meide extreme Situationen, schütze dich vor Infektionen. Achte auf einen gesunden Lebensstil und eine gesunde Ernährung. Reduziere Stress und sorge für eine gute Balance zwischen Aktivität im Alltag und Entspannung sowie Ruhe und ausreichenden Schlaf.

Du kannst Stress nie vollständig vermeiden, doch du kannst versuchen diesen zu reduzieren und Methoden erlernen um besser damit umzugehen. Sport, Meditation, Yoga und Verhaltenstherapie sind dafür geeignet.

Wenn du dir schon einmal die Frage gestellt hasst, ob du durch die Veränderung deines Lebensstils deine MS positiv beeinflussen kannst, lege ich dir den Artikel: ‚Was tun bei MS? 5-Schritte-Programm für mehr Lebensqualität‚ an Herz.

Hierin erfährst du, wie ich es geschafft habe, das Fortschreiten meiner MS zu stoppen – und wie es auch dir gelingen kann die Weichen für ein besseres Leben trotz MS neu zu stellen.

Gerne kannst du dir die kostenlose Anleitung zum neuen ‚Lebensstil-Programm mit MS‘ hier herunterladen.

Was ist ein Multiple Sklerose-Schub? Anzeichen, Auslöser, Behandlung, Pseudo-Schub 2
Es ist nicht immer direkt klar, ob es sich um einen Schub oder einen Pseudo-Schub handelt. Das Uthoff-Phänomen ist ein Beispiel für einen Pseudo-Schub, der durch eine Erhöhung der Körpertemperatur ausgelöst wird. Wird die Körpertemperatur wieder gesenkt, bilden sich die Symptome sofort oder innerhalb von 24 Stunden wieder zurück.

Was ist ein Pseudo-Schub?

Bei einem Pseudo-Schub können sich die allgemeine Leistungsfähigkeit und bestehende neurologische Symptome vorübergehend verschlechtern. Auslöser sind kurzzeitige körperliche oder psychische Extrembelastungen.

Ein Pseudo-Schub dauert oft nur einige Stunden.

Ein Bespiel für einen Pseudo-Schub ist das sogenannte Uthoff-Phänomen,

dass durch die Erhöhung der Körpertemperatur ausgelöst wird. Hierfür reichen oft schon körperliche oder sportliche Anstrengungen, Hitze im Sommer, ein Saunabesuch oder heißes Baden und Duschen. Auch Fieber aufgrund einer Infektion kann dieses auslösen.

Besonders häufig ist das Sehvermögen oder die Muskelkraft betroffen. Wenn du an einer Fatigue leidest, kann diese ebenfalls erheblich zunehmen.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn du wärmeempfindlich bist und du dich beispielsweise in der Sonne zu stark anstrengst oder du ein heißes Bad nimmst.4

Die Ursache für das Uthoff-Phänomen liegt in der Verschlechterung der Leitfähigkeit vorgeschädigter Nerven durch die erhöhte Körpertemperatur. Die Symptome bilden sich nach Senkung der Körpertemperatur sofort oder innerhalb von Stunden wieder vollständig zurück.

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Zur Behandlung akuter MS-Schübe wird die s.g. Kortison-Stoßtherapie empfohlen. Zeigt diese keine ausreichende Wirkung und führt auch eine zweite Stoßtherapie nicht zum Erfolg, kann auch die s.g. Plasmapherese (PE, Blutwäsche) zum Einsatz kommen.

Wie wird ein MS-Schub behandelt?

Ziel jeder Therapie ist es, das Auftreten der Symptome so weit wie möglich zu vermeiden um damit die Lebensqualität wieder zu steigern.

Nicht immer gelingt dies dadurch, auslösende Situationen zu vermeiden. Zumeist müssen Medikamente zur Behandlung eingesetzt werden.

Die Schubtherapie ist ein wesentlicher Eckpfeiler der gesamten MS-Behandlung.

Ihr Ziel ist es, die aufgetretenen Beschwerden so weit als möglich einzudämmen und die Beeinträchtigungen zu lindern.

Die Symptome bei MS-Schüben klingen oftmals wieder vollständig ab. Aber es besteht auch das Risiko, dass einige Symptome sich nur unvollständig zurückbilden und bleibende neurologische Schäden verursacht.

Der Verlauf der MS wird durch die Häufigkeit der Schübe beeinflusst. Bei fünf von 10 Patienten führt eine unbehandelte schubförmige MS nach durchschnittlich 10 Jahren zu einer sekundär progredienten MS, bei der die Häufigkeit der Schübe nachlässt und die neurologischen Schädigungen und Beeinträchtigungen schleichend zunehmen.

Wenn bei dir plötzlich Symptome auftreten oder sich bereits bestehende Symptome verschlechtern, solltest du möglichst zeitnah deinen Neurologen aufsuchen, denn bei einem MS-Schub handelt es sich um einen Notfall.

Mit Hilfe bestimmter klinischer Kriterien stellt dein Neurologe die Diagnose. Handelt es sich bei deinen Anzeichen um einen akuten Schub, sollte die Behandlung möglichst zeitnah nach Auftreten der Schub-Symptome beginnen um eine möglichst schnelle Rückbildung der Symptome zu erreichen.

Doch die gute Nachricht ist, dass nicht alle Symptom-Verschlimmerungen behandelt werden müssen. Treten nur leichte sensorische Veränderungen oder Ermüdungserscheinungen auf, die deine Aktivitäten nicht wesentlich beeinträchtigen, können diese meist unbehandelt bleiben.

Bei schweren Symptom-Verschlimmerungen, die deine Sicherheit, Mobilität oder deine Lebensqualität insgesamt beeinträchtigen, wird dir dein Neurologe eine kurzzeitige Gabe hochdosierter Glukokortikosteroide (Kortison) empfehlen.

Tipp: Führe ein Tagebuch oder einen Schubkalender, indem du den Zeitraum mit Datum, die Art und Dauer der Symptome einträgst. So kannst du deinem Neurologen einen Überblick geben und er kann mit dir beraten und entscheiden, ob und wie der MS-Schub behandelt werden muss, oder ob eventuell sogar deine derzeitige Immuntherapie angepasst werden sollte. Eine praktische App in der du deine Symptome dokumentieren kannst ist beispielsweise MS Tagebuch.

Behandlung bei akuten MS-Schüben: Kortison-Stoßtherapie

Kortison (Glukokortikosteroide) kann die Entzündungsaktivität bei MS gewöhnlich schnell lindern und für eine schnelle Rückbildung der Symptome sorgen. Und so dazu beitragen, dass deine Beeinträchtigungen gelindert werden oder bestenfalls ganz verschwinden.

In einer sogenannten Stoßtherapie (auch Pulstherapie genannt) erhältst du dann in der Regel über drei bis fünf Tage hochdosiertes Kortison als intravenöse Infusion. Zumeist 1.000 mg Methylprednisolon pro Tag. Am besten morgens als Einzeldosis in einer Kurzinfusion – ambulant oder stationär – innerhalb von 30 bis 60 Minuten, da viele MS-Betroffene die morgendliche Gabe besser vertragen.

Bilden sich dadurch die Symptome bei dir nicht zurück oder bessern sich diese nicht ausreichend, kann im Anschluss noch eine ausschleichende orale Kortison-Gabe erfolgen. In der Regel ist dies jedoch nicht erforderlich.

Die möglichen Nebenwirkungen der Kortison-Stoßtherapie

Es können Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen, Unruhe und Schlafstörungen, psychische Störungen sowie Unverträglichkeitsreaktionen auftreten. Bei Diabetikern besteht die Gefahr von entgleisenden oder erhöhten Blutzuckerwerten. Auch das Risiko eines epileptischen Anfalls kann bei Patienten, die dazu neigen, erhöht werden. Das gilt auch für das Thrombose-Risiko, insbesondere für Patienten mit Lähmungen.

Die Gegenanzeigen für den Einsatz der Kortison-Stoßtherapie sind starke Erkältungen, ausgeprägte Magen-Darm-Geschwüre, ausgeprägte psychische Störungen, reaktivierbare Tuberkulose und eine Allergie gegen Methylprednisolon. 5

Wiederholung der Kortison-Stoßtherapie

Haben sich nach einer zweiwöchigen Pause die Symptome noch nicht ausreichend zurückgebildet, kann nach den aktuellen Empfehlungen der Multiple Sklerose Therapie Konsensus Gruppe (MSTKG) die Stoßtherapie wiederholt werden. Das dann mit einer Dosierung von bis zu 2.000 mg über fünf Tage.6

Führt jedoch auch diese zweite Stoßtherapie nicht zum Erfolg, kann in schweren Fällen, wie einer Sehnerv-Entzündung mit Blindheit oder einer Lähmung mit Rollstuhlpflichtigkeit, eine Blutwäsche (Plasmapherese) versucht werden.7

Blutwäsche (PE), wenn die Stoßtherapie nicht hilft

Eine Plasmapherese (PE, Blutwäsche) erfolgt in der Regel stationär im Krankenhaus oder in einem MS-Zentrum über 10 Tage in fünf bis sieben Zyklen.

Über die Arm- oder Halsvene wird Blut aus dem Körper entnommen. Das flüssige Plasma wird in einer Zentrifuge von den Blutzellen getrennt und ersetzt. Entweder durch fremdes Plasma oder durch humanes Albumin. Dieses ‚gewaschene Blut‘ wird dem MS-Betroffenen dann wieder zugeführt.

Der Vorgang dauert etwa zwei bis vier Stunden und wird in der Regel fünfmal wiederholt. Zwischen den einzelnen Behandlungen wird in der Regel jeweils ein Tag Pause eingelegt.

Durch die Blutwäsche sollen die schädlichen Bestandteile aus dem Blut entfernt werden, die für die Schädigung der Myelinscheide verantwortlich sind.

Die möglichen Nebenwirkungen der Blutwäsche

In der Regel wird die Blutwäsche gut vertragen. Doch neben den Risiken, wie sie beim Blutspenden bestehen, kleiner Bluterguss, in sehr seltenen Fällen Nervenschädigungen und Venenentzündungen, können in seltenen Fällen auch Kreislaufreaktionen auftreten. Auch kommt es bei einem Teil der Patienten zu Nebenwirkungen durch das dem Blut zugesetzte gerinnungshemmende Mittel.8

Die Plasmapherese ist besonders dann erfolgversprechend, wenn sie innerhalb von vier bis spätestens sechs Wochen nach Beginn der Schubsymptome durchgeführt wird. Zur Erfolgsquote der Blutwäsche gibt es unterschiedliche Angaben. Ausführliche Informationen hierüber findest du auf der Seite der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (dmsg).

Die Plasmapherese eignet sich jedoch nicht als langfristige Immuntherapie bei MS.

Meine Erfahrungen mit MS-Schüben

Meine ersten MS-Schübe liegen viele Jahre zurück und wurden weder erkannt noch richtig behandelt. Hierüber habe ich bereits ausführlich im Artikel ‚Was ist Multiple Sklerose? Symptome, Ursachen, Verlauf und Diagnose‚ berichtet. Meine Odyssee nahm erst im Mai 2019 mit der gesicherten Diagnose-Stellung ‚MS‘ ein Ende.

Zu den schlimmsten Anzeichen zählten bei mir neben der Fatigue und Depressionen die Sensibilitätsprobleme in Armen und Händen sowie Blasenprobleme.

Bei einem weiteren Schub litt ich dann unter heftigsten Elektroschock-Situationen (Lhermitte-Zeichen). Ich stand förmlich unter Dauerstrom, der von meiner Halswirbelsäule aus in beide Arme bis in die Fingerspitzen schoss. Oftmals brizzelte es regelrecht und laut, so dass ich dachte jeder Mensch um mich herum müsse es hören. So als ob man unter einem Strommast steht. Oder gar spüren, wenn ich bei der Begrüßung die Hand gebe.

Zudem fühlten sich meine Fingerbeeren in den Daumen, Zeige- und Mittelfingern pelzig und taub an. Die Taubheit ist bis heute geblieben und beeinträchtigt mich sehr in meinem Alltag.

Leider war ich zu keinem Zeitpunkt auf die Idee gekommen, dass ich vielleicht an MS erkrankt bin. Auch der mich damals behandelnde Neurochirurg kam erst auf die Idee mich einmal zum Neurologen zu schicken, als der Dauerstrom plötzlich auch in meinen Füßen und Beinen einsetzte und ich panische Angst hatte, dass ich vielleicht im Rollstuhl lande.

Ein Glück ist es dazu nicht gekommen, denn ab diesem Zeitpunkt nahm mein Leben eine Wende. Dank der gesicherten Diagnose ‚MS‘, über die ich keinesfalls glücklich bin, wurde ich in die Lage versetzt alles Erforderliche dafür zu tun um das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten und dafür zu sorgen, dass ich wieder ein Leben mit mehr Lebensqualität, Lebensfreude und Vitalität führen kann.

Die im Mai 2019 durchgeführte Kortison-Stoßtherapie führte bei mir nicht zum Erfolg. Allerdings dazu, dass ich mich wie ein wild gewordener Flummi mit Vollmondgesicht fühlte, der mehrere Wochen nicht zur Ruhe kam und kaum mehr schlafen konnte.

Leider habe ich die Bücher: Diagnose: unheilbar – Therapie: selbstbestimmt – vom souveränden Umgang mit der Schulmedizin * und MS für Anfänger (die keine Fortgeschrittenen werden wollen) *, von Sven Böttcher, erst nach der Beendigung meiner Schubtherapie gelesen.

Die besten Bücher eines MS-Betroffenen, die ich bislang gelesen habe. Absolut empfehlenswert, wenn du so wie Sven Böttcher und ich daran interessiert bist deine MS selbstbestimmt und souverän in den Griff zu bekommen. Er hat mein neues, besseres Leben mit MS maßgeblich beeinflusst. Dafür bin ich ihm lebenslang dankbar.

Möchtest du mehr über Sven Böttcher erfahren, dann empfehle ich dir das Video Planet Wissen – Leben mit Multipler Sklerose. Ein Interview, dass er im Dezember 2014 im WDR gab. Es gibt Einblick in sein Leben mit MS, aber auch sehr ausführliche Informationen rund um die Krankheit MS.‚

Heute, rund drei Jahre nach der Diagnose, bin ich dankbar, dass es mir gelungen ist der Krankheit die Stirn zu bieten und dass, obwohl ich kein Basis-Therapie-Medikament nehme.

Letztlich habe ich meinen eigenen Weg gefunden die MS selbst zu behandeln. Alternative Behandlungsmethoden ohne Angst ausprobiert, wie beispielsweise das Coimbra-Protokoll, die hochdosierte Vitamin D-Therapie. Dann Schritt für Schritt meinen neuen Lebensstil und eine bewusste Veränderung meiner Ernährung vorgenommen, mit ich es geschafft habe eine natürliche und nachhaltige Verbesserung selbst herbeizuführen.

Auch habe ich gelernt, dass es Rückschläge geben kann und wie ich damit gelassen umgehen kann.

Denn im Januar dieses Jahres verstarb meine Mutter. Wir sind den letzten Weg gemeinsam gegangen. Es war kein einfacher Weg. Die Sterbebegleitung hat mich körperlich und emotional stark belastet und führte zu einem MS-Schub.

Der Schub wurde von meinem Neurologen dokumentiert. Er unterstützte mich darin keine Kortison-Stoßtherapie durchzuführen. Trotzdem habe ich diesen Schub überstanden. Jetzt ist wieder alles gut. Bis auf die anhaltende Trauer, diese braucht ihre Zeit.

Fazit

Eine Verschlechterung deiner Symptome und neu auftretende Anzeichen müssen ernst genommen werden. Du solltest dich bei einem Verdacht auf einen MS-Schub grundsätzlich zeitig bei deiner Ärztin oder deinem Arzt vorstellen. Gemeinsam könnt ihr euch darüber beraten, ob und welche Behandlung erforderlich ist um damit einhergehende Nervenschädigungen rasch stoppen zu können.

Denn auch, wenn bei Schüben die Symptome oftmals vollständig wieder abklingen. Besteht doch das Risiko, dass manche Symptome sich nur unvollständig zurückbilden und bleibende Schäden verursachen.

Zudem kann es sein, dass aufgrund eines Schubs trotz Basis-Therapie ein Therapiewechsel erforderlich wird.

Manchmal ist es nicht so leicht zu erkennen, ob die bei dir selbst wahrgenommenen Symptome auch Anzeichen für einen MS-Schub sind. Sprich deine Ärztin oder deinen Arzt deshalb lieber einmal zu viel als zu wenig an.

Denn gerade, wenn du am Anfang deiner MS-Erkrankung stehst, wird es dir vielleicht schwer fallen deine Symptome und Beschwerden richtig zu deuten. Doch nach einiger Zeit wirst du mehr und mehr mit deiner körperlichen Verfassung vertraut sein und ein besseres Gefühl dafür entwickeln mögliche Anzeichen für einen Schub zu erkennen.

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Quellen

  1. https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/36706/, letzter Aufruf 04.04.2022
  2. https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/multiple-sklerose-ms/krankheitsbild, letzter Aufruf 04.04.2022
  3. Krämer G., Besser R.: Multiple Sklerose: Antworten auf die 111 häufigsten Fragen, Trias, 2006
  4. Thomas Henze, Multiple Sklerose: Verstehen – Symptome behandeln – Mit der Krankheit leben: Symptome besser erkennen und behandeln; Zuckschwerdt; 2020
  5. https://www.dmsg.de/multiple-sklerose/ms-behandeln/therapiesaeulen/schubtherapie, letzter Aufruf 05.04.2020
  6. https://link.springer.com/article/10.1007/s00115-021-01157-2, letzter Aufruf 05.04.2022
  7. https://www.dmsg.de/multiple-sklerose/ms-behandeln/therapiesaeulen/schubtherapie, letzter Aufruf 05.04.2022
  8. https://www.dmsg.de/multiple-sklerose/ms-behandeln/therapiesaeulen/schubtherapie, letzter Aufruf 05.04.2022

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Hallo, ich bin Doris

Hallo, ich bin Doris

Seit 2019 habe ich die Diagnose Multiple Sklerose (MS). Ab da hieß es für mich: Alles auf Neustart! Neugierig und mutig habe ich verschiedene auch unkonventionelle Behandlungsmethoden ausprobiert und ein neues Lebensstil-Programm für mich entdeckt.

Darüber schreibe ich hier, um anderen MS-Betroffenen, deren Angehörigen und Freunden die Krankheit MS nahe zu bringen, Sie zu informieren und mit hoffnungsgebenden Impulsen zur Seite zu stehen. Für ein Leben mit mehr Lebensfreude und Lebensqualität – trotz MS.

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